Arbeitsweise des Werbetexters in der Ideenfindung

[...] Nachdem Sie Ihre konzeptionellen Hausaufgaben gemacht haben, nachdem Sie alle im Briefing genannten Punkte abgehakt haben, dann (und erst dann!) ist es endlich so weit, daß Sie anfangen können sich mit der Arbeitsweise des Werbetexters zu beschäftigen: jetzt dürfen Sie kreativ werden, jetzt dürfen Sie sich was einfallen lassen, sagt Heiner Wehn.

Beginnen Sie am besten mit dem »Brainstorming«, also damit, Ihre »Gedankenstürme« zu entfesseln und Ihre wichtigsten Ideen festzuhalten. Erfunden wurde das von Axel Osborne, B.B.D.O. (Batten, Barton, Durstine und Osborn), damals eine der größten Werbeagenturen der Welt.

Notieren Sie wahllos alles, was Ihnen zu diesem Bereich einfällt und sammeln Sie alles, was Ihnen spontan in den Sinn kommt, ohne zu bewerten! Ist ein Begriff aufgeschrieben, folgt sofort der nächste … bitte keinerlei Bewertung, weder positiv noch negativ! Besonders wichtig ist, wenn der ›Oberboss‹ anwesend ist, daß keine Ideen abgewürgt werden. Eine andere Meinung zu Brainstormings wird von Edward de Bond vertreten, aber er ist weit und breit der Einzige.

Hilfreich ist es, mehrere Teilnehmer aus möglichst unterschiedlichen Interessen- und Fachgebieten einzubeziehen, zum Beispiel Kontakter, Texter und Grafiker. Ob zwei oder zwanzig, das ist erst einmal egal. Auch ein ›einsamer Wolf‹ kann ein Solo-Brainstroming machen. Zum Beispiel können Sie durch Kaufhäuser oder Supermärkte schlendern, oder in Modehäusern bummeln, in Elektronikfachmärkten stöbern, in Baumärkten nach Anregungen suchen und so weiter und so fort.

Wenn Ihnen zwischendurch irgendwann eine geniale Idee gekommen ist, dann sollten sie deshalb die konzeptionellen Vorarbeiten auf keinen Fall abbrechen. Notieren Sie Ihre Idee, und dann machen Sie mit Ihren Hausaufgaben weiter. Wenn Sie damit fertig sind, dann prüfen Sie, ob Ihre Idee den konzeptionellen Anforderungen Stand hält – oder ob es bloß irgendein flotter Spruch war, der aber leider vom Thema wegführt. [...]

Mehr davon im Buch »Rüstzeug – Über Werbung, Text und Kreativität« von Heiner Wehn, siehe www.edition-infopress.de.

[Zweiter Band, Auszug]

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