Was wird weiter in der Werbung möglich sein? (Teil 2)

In der Werbung Tätige hatten anno dazumal meistens mit dem Inhaber zu tun, der fast immer auch der Entscheider war, mit dem die Annoncenexpeditionen beziehungsweise dann die Werbeberater zusammenarbeiteten. So ist die Werbeagentur teilweise 20, 30, 40 Jahre und länger die gleiche, und das ist an und für sich sehr gut.

Aber inhabergeführte Namen sind selten geworden, sagt Heiner Wehn. Bosch, Henkel, Fischer und Würth sind schon außergewöhnlich. Management und Marketing sind schnellebiger geworden, und meist badet die Belegschaft Fehler des Managements aus, wenn diese schon lange woanders ihr Unwesen treiben.

Nehmen wir mal die Autos, des Mannes liebstes Kind – Audi und BMW. Sie haben es richtig gemacht: groß bis klein in einer Produktionslinie, und auch langfristig nur immer wieder geringfügige Korrekturen. Das Ende der Linie ist Opel, die höchstens ein halbes Jahr das gleiche und dann plötzlich alles anders machen. [...]

Der Einzelhandel ist im plus, während der Konsum eher im minus ist. Vor über dreißig Jahren trug erst etwa jedes zehnte Verbrauchsgut nicht den Markennamen eines Herstellers. Schon 1998 hatte sich die Quote verdoppelt, und die Tendenz ist steigend. [...]

Zusätzlich hat das Internet einen großen Anteil an den Veränderungen.[...] Der Grafiker ist so etwas von mega-out, die Technik mega-in, und der Internetjunkie ist angesagt. Das Wort ›Werbeagentur‹ ist schon als verpönt und antiquarisch abgeschrieben worden, fast so wie der Kampf gegen Windmühlen eines Don Quijote. Und resignierend stellt Jerry Della Femina fest: »Das Internet regiert. Zeitungen sind tot oder sterbenskrank. Jeden Tag wird eine Zeitschrift eingestellt. Werbeetats werden zusammengestrichen. Die Branche muß sparen. Texter haben Webdesignern Platz gemacht, TV-Werbung wird weniger gebucht, weil jeder Kunde digitale Lösungen haben will. Sie wollen immer mehr, und es soll immer weniger kosten«. Und sogar noch weiter geht Amir Kassaei, der Kreativchef von DDB: er meint daß »Mad Man« ein Weichei ist.

Und das Hamsterrad wird immer schneller gedreht. Die Gurus schüren die Legende der Neuromythen und Neuroexperten behaupten, daß sie wie in einem offenen Buch die Gehirnströme lesen könnten – ähnlich wie die Frogs im »Raumschiff Orion« von 1966. Hoffentlich nur in der »Orion«!

Trotz Internet ist immer noch das Handwerkszeug das Entscheidende. Mehr dazu steht im Buch »Rüstzeug – Über Werbung, Text und Kreativität« von Heiner Wehn (siehe www.edition-infopress.de  und heiner.wehn@facebook.com)

[Auszug, Ende]

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